Köln-Deutz

Vorgeschobene Lage im Feindesland

Kurzfassung

Das Kastell Divitia in Köln-Deutz wurde Anfang des 4. Jahrhunderts n. Chr. unter Kaiser Konstantin I. dem Großen als vorgeschobener römischer Militärstützpunkt auf dem rechten Rheinufer errichtet. Über eine steinerne Brücke war es direkt mit der römischen Stadt Köln verbunden. Das Kastell repräsentiert eine für die Spätantike typische Festungsarchitektur mit vorspringenden Rundtürmen und spielte eine zentrale Rolle bei der Sicherung der Rheingrenze.

Vorgeschobene Lage im Feindesland

Als Teil des umfangreichen Verteidigungsprogramms Kaiser Konstantins‘ I. lag das Kastell auf der rechten Rheinseite, also auf germanischem Gebiet. Die Lage ermöglichte die strategisch wichtige Kontrolle des Flussüberganges und dem Zugang zur römischen Siedlung Köln (Colonia Agrippina). Das Kastell Divitia ist am Niedergermanischen Limes das einzige Beispiel für eine Befestigung auf dem rechten Rheinufer.

Bau und Architektur

Das Kastell hatte einen annähernd quadratischen Grundriss von ca. 141 m Seitenlänge. Es war von einer massiven Wehrmauer umgeben, in die 14 Rundtürme und zwei große Tore mit Doppeltürmen eingebunden waren. Die Mauern waren durchschnittlich 3,3 m stark und erhoben sich bis zu einer Höhe von geschätzten 8 m. Im Inneren gliederte die Hauptstraße (via praetoria) das Lager in zwei Hälften mit je acht Mannschaftsbaracken, darunter auch ein Badehaus. Die 400 m lange steinerne Brücke verband das Kastell direkt mit der Stadt Köln.

Besatzung und Nutzung

Die Garnison umfasste etwa 800 bis 1.000 Soldaten. Archäologische Funde belegen, dass hier fränkische Hilfstruppen unter römischem Kommando stationiert waren, was die spätantike multikulturelle Zusammensetzung der Truppen widerspiegelt. Das Kastell wurde bis zur Mitte des 5. Jahrhunderts n. Chr. genutzt und somit auch in die Zeit der Spätantike und des beginnenden Übergangs zu den fränkischen Herrschaften eingebunden.

Bedeutung

Das Brückenkopfkastell Divitia steht exemplarisch für die Verstärkung der Rheingrenze unter Kaiser Konstantin I. Es steht beispielhaft für die neuartige spätantike Kastellbauweise mit vorspringenden Rundtürmen und unterstreicht mit dieser vorgelagerten Verteidigungsanlage zugleich die Bedeutung Kölns als römische Metropole. Die direkte Verbindung über die Brücke demonstriert die enge Verbindung zwischen militärischer Kontrolle und urbanem Zentrum.

Erhaltung

Obwohl das Areal heute überbaut ist, sind etwa 50 % der Lagerfläche mit unterirdischen archäologischen Befunden erhalten, vor allem in der nördlichen Hälfte und entlang der via praetoria, die noch das moderne Straßenbild prägt. In Kellerräumen des Altenzentrums Deutz sind originale Mauersubstanz und die Reste eines Turmes erhalten. Geschützt unter dem Pflaster der Gehwege liegen weitere römische Mauern und Strukturen.

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